Im Jahr 1302 übergab Herzog Bogislaw IV. von Pommern (†1309) seiner Tochter Jutta, die zu dieser Zeit als Nonne im Zisterzienserinnenkloster Wollin lebte, das Land Bukow sowie das Patronatsrecht der Kirche St. Michael in Krummin zur Gründung eines neuen Klosters. Unter ihrer Führung als erste Äbtissin konnte das Kloster seinen Besitz durch Schenkungen aus der herzoglichen Verwandtschaft erweitern. Die meisten Nonnen entstammten den umliegenden Adelsfamilien. Der Konvent erhielt im Laufe seines Bestehens eine ganze Reihe von Besitzungen in den Dörfern auf Usedom. Auch zwei Mühlen, eine Schäferei und ein Krug im nahen Dorf Ziemitz gehörten zum Klosterbesitz. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgehoben. Die verbliebenen acht Nonnen unter der Priorin Sophie von Köller durften im Kloster verbleiben, wobei für ihren Unterhalt durch Zuwendungen des Landesherrn und der Familien gesorgt war. Spätestens zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurden die Klostergebäude abgetragen. Die ehemalige Klosterkirche blieb bis heute als Backsteinsaal mit einem polygonalen Chor erhalten.

Kirche der Zisterzienserinnen in Krummin von Südwesten / Foto K. Hillebrand
Kirche der Zisterzienserinnen in Krummin von Südwesten / Foto K. Hillebrand

Ein fürstlicher Kelch

Ein wichtiges klösterliches Ausstattungsstück bei der heiligen Messe war der Messkelch zur Aufnahme des Messweins. Schriftlich überliefert ist, dass die Äbtissin Anna von Mansfeld dem Konvent einen schönen Kelch schenkte. 1461 vermachte Nikolaus Steding, der Bruder der Priorin Sophia, den Nonnen einen silber-vergoldeten Gürtel, der eingeschmolzen werden sollte und aus dem zwei Kelche gefertigt wurden.

Krumminer Kelch, Pommersches Landesmuseum Greifswald / Foto Posselt
Krumminer Kelch, Pommersches Landesmuseum Greifswald / Foto Posselt

Erhalten hat sich ein handwerklich besonders aufwendiger Kelch, der sich heute als Dauerleihgabe der Kirchengemeinde Krummin im Pommerschen Landesmuseum Greifswald befindet. Der vergoldete silberne Kelch besitzt eine hohe Trinkschale, die im unteren Bereich reich mit Ranken, Blüten und kleinen Vogelmotiven verziert ist. Über den Schaft und den hier befindlichen Knauf sowie dem Kelchfuß setzt sich die opulente, filigrane Ornamentik aus aufgelötetem Silberdraht fort. Der Knauf zeigt feinste Goldschmiedekunst in Form reich verschlungener Akanthusblätter. Der Kelch ist wohl eine Arbeit aus einer süd- oder südosteuropäischen Werkstatt. Vielleicht wurde das Stück von einem Mitglied der fürstlichen Familie auf einer Wallfahrt erstanden und als frommes Geschenk an den Konvent gegeben.

von Katja Hillebrand

Reisetipp

Kirche der Zisterzinnen Krummin Langhaus Blick nach Osten / Foto K. Hillebrand
Kirche der Zisterzinnen Krummin Langhaus Blick nach Osten / Foto K. Hillebrand

Ausflug:

Die erhaltene ehemalige Klosterkirche ist ganzjährig von 10.00-18.00 Uhr zu besichtigen. Im Sommer finden hier Konzertveranstaltungen im Rahmen des Usedomer Musikfestivals statt.

Vom leicht erhöhten Kirchplatz hat man einen schönen Blick über die Ausbuchtung des Peenestroms mit dem Naturhafen Krummin, hier befinden sich Parkmöglichkeiten.

Das nahe Wolgast besitzt ein geschlossenes historisches Stadtbild, in dessen Zentrum sich die große gotische Pfarrkirche St. Petri befindet.

Über die Bundesstraße 111 erreicht man die Ostseebäder entlang der Inselküste.

Überblick.

Identifikation

Geistliche Zugehörigkeit
Zisterzienserinnen, Ordo Cisterciensis (OCist)
Patrozinium
Hl. Jungfrau Maria

Gründung/Aufhebung

Gründungsdatum
1302/1303
Gründung durch
Herzog Bogislaw IV.
Aufhebungsdatum
1563

Ortslage

Ortslage
5km östlich von Wolgast, östlich der Dorfsiedlung Krummin, heute Dorfstaße
Kirchlicher Verwaltungsbezirk
Bistum Cammin
Territoriale Zugehörigkeit
bis 1478 Herzogtum Pommern-Wolgast, 1478 bis 1523 Herzogtum Pommern, ab 1523 Herzogtum Pommern-Wolgast
Koordinaten

Spätere Nutzung

Nach dem Tod der letzten Nonne verfielen die Klausurbauten und noch vor dem Dreißigjährigen Krieg wurden die Bauten abgetragen. Mit der Reformation wurde die Klosterkirche zur evangelischen Pfarrkirche St. Michael.

Weitere Informationen

Quellen und Literatur

[1] Karla Bilang: Kloster der Zisterzienserinnen und Kirche St. Michael in Krummin auf Usedom (Wolgast 2008).

[2] Hermann Hoogeweg: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern 2 (Stettin 1925), S. 436–451.

[3] Dirk Zache (Hrsg.): 700 Jahre Krummin. Eine Spurensuche. Crominino 1305–2005 (Krummin 2005).

Datensatz
JSON-Datensatz

Veröffentlicht am 30. November 2022
Zuletzt bearbeitet am 30. Mai 2024
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