Internationale Nachwuchsveranstaltung in Bordesholm 2.-3.11.2023

Bericht zum Workshop „Neue Forschungen zu Klöstern und Orden im Ostseeraum“

Mittelalterliche Klöster und Orden erhielten insbesondere in den Küstengebieten der Ostsee eine ganz eigene, grenzüberschreitende Prägung, indem über die Wasserwege sowohl Ideen, Wissen und Waren ausgetauscht als auch verschiedene Kulturregionen miteinander verbunden wurden. Mit dem Hinweis auf die herausragende gesellschaftliche Bedeutung angesichts heutiger Entwicklungen und die innovative Leistung dieser geistlichen Institute im Mittelalter führten Robert Harlaß (Kiel) und Marcus Handke (Dresden) in den interdisziplinär und international ausgerichteten Nachwuchsworkshop ein. Sie betonten als übergeordnetes Interesse der Veranstaltung nicht nur den Wunsch, die beiden Forschungsfelder der Kloster- und Ordensgeschichte synergetisch zu verknüpfen, sondern auch einen Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich leisten zu wollen.

Von: Melissa Möller | 4. April 2024
Die Veranstaltung fand am 2. und 3. November 2023 auf der Bordesholmer Klosterinsel statt / Foto T. Schlott
Die Veranstaltung fand am 2. und 3. November 2023 auf der Bordesholmer Klosterinsel statt / Foto T. Schlott

Anknüpfend an das Handbuchprojekt „Klosterregister und Klosterbuch für Pommern“ ging der Nachwuchsworkshop über die pommerschen Institute hinaus und fragte für den Ostseeraum nach der individuellen Entwicklung und Ausprägung einzelner geistlicher Institute, etwa ihrer Liturgie, Regionalität und den Auswirkungen von Krisen.

Robert Harlaß und Marcus Handke führten die Veranstaltung im Bordesholmer Gemeindehaus ein / Foto T. Schlott
Robert Harlaß und Marcus Handke führten die Veranstaltung im Bordesholmer Gemeindehaus ein / Foto T. Schlott

Einblicke in ausgewählte Kloster- und Stiftsbibliotheken

Im Rahmen der ersten Sektion zu den „Bibliotheken“ erläuterte Marcus Handke (Dresden) am Beispiel der Formula novitiorum, einer aus dem Augustiner-Chorherrenstift Bordesholm stammenden Handschrift des Franziskaners David von Augsburg, die Verbreitungswege und Rezeption geistlich-paränetischer Literatur, anhand derer sich Rückschlüsse auf regionale Netzwerke sowie lokale Bedürfnisse, spirituelle Ausrichtungen und Ziele ergeben. 

Die Bordesholmer Bibliothek umfasste eine Vielzahl an Schriften, deren Ursprünge über die Ostseeregion hinausreichten und somit Verknüpfungen von sehr unterschiedlichen Landschaften, Regionen und religiösen Gemeinschaften widerspiegeln. Durch den Austausch von Abschriften lassen sich beispielsweise Hinweise auf direkte Kommunikationslinien zu konkreten Niederlassungen wie zu den Augustiner-Chorherren in Jasenitz oder zum Kartäuser-Konvent Gottesgnade nahe Stettin und dessen Mutterkartause in Prag finden. Während für die Verbreitung der Handschriften vor allem die lokale Nähe und die persönlichen Kontakte von entscheidender Bedeutung gewesen seien, misst Handke der Formula aufgrund ihrer Vielgestaltigkeit eine Innovationskraft bei, die eine europaweite Wirkmacht besessen habe. In diesem Zusammenhang weist er auf den Stellenwert der eng verknüpften Kloster- und Ordensgeschichte für die Wirkungsgeschichte (History of Impact) hin, indem solche Beobachtungen zur Beantwortung übergeordneter Fragen nach dem Wissen der Religiosen im Mittelalter, nach der Bedeutung und Wirkung paränetischer Texte innerhalb religiöser Organisationen sowie deren Einfluss auf Reformen herangezogen werden können.

Das bisher unerforschte Schicksal der Stiftsbibliothek des Domstifts in Cammin/Kamień Pomorski, als das im Mittelalter wichtigste religiöse und geistige Zentrum Pommerns, beleuchtete Karolina Piszczałka (Warschau/Warszawa), indem sie die Verbreitungswege der Buchsammlung − insbesondere der fragmentarisch erhaltenen Handschriften − nach der Reformation, vor dem Zweiten Weltkrieg sowie in der Nachkriegszeit darstellte. 

Aufgrund verschiedener historischer Wirrungen wurde die Büchersammlung schrittweise aufgeteilt und weit zerstreut, sodass sich die einzelnen Abschnitte der Manuskripte heutzutage überwiegend in institutionellem Besitz – in staatlichen, insbesondere polnischen Bibliotheken und Archiven – sowie in Privatbesitz befinden. In diesem Zusammenhang hob sie die sogenannte „Goldheads‘ Smuggling Operation“ hervor, die in den 1960er- und 1970er- Jahren in Polen stattfand und in deren Zuge drei Handschriften der Camminer Sammlung gestohlen wurden. Anhand der Einbandgestaltung identifizierte sie sowohl Parallelen als auch Abweichungen zwischen den Handschriften, die Rückschlüsse auf die jeweiligen Entstehungsorte und -zeiten erlauben und damit einhergehend auch auf Verschleierungen der Provenienzen hindeuten, wie Piszczałka am Beispiel einer Krakauer Handschrift verdeutlichte.

Kaspar Kolk (Tartu) widmete sich in seinem Beitrag dem Umgang ausgewählter Franziskanerklöster mit den Herausforderungen der lutherischen Reformation und erörterte am Beispiel der überlieferten Buchbestände der Klöster in Grünberg, Brandenburg und Rakvere Veränderungen beim Erwerb ihrer Bücher in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 

Er zeigte, dass in den ersten Jahrzehnten der Reformation vorrangig zeitgenössische antiprotestantische Werke katholischer Polemiker konsultiert wurden, mithilfe derer die Brüder ihre bisherigen Lehren stützen konnten. Im Gegensatz zu den beiden anderen Konventen habe die Autorenschaft in Rakvere bereits einer zweiten Generation angehört, bei der es sich zumeist um deutsche katholische Theologen gehandelt habe. In den 1530er-Jahren wurden die anfänglich oft als unmittelbare Reaktion auf Luther verfassten Schriften durch größere Bände von etablierten katholischen Autoritäten ersetzt. Kolk stellte fest, dass sich anhand der Bücher der allmähliche Niedergang des geistlichen und intellektuellen Lebens in den ausgewählten Beispielkonventen nachzeichnen ließe. Während sich die Brüder auf zeitgenössische religiöse Themen konzentrierten, verschwanden zunächst die juristischen, wissenschaftlichen und philosophischen Bücher aus dem Klosterbestand. Mit dem Rückgang der Zahl der Ordensbrüder wurden auch weniger Bücher geistlichen Inhalts erworben, was auf das Ende des religiösen Lebens in den Klöstern hindeute.

 

Mittelalterliche geistliche Netzwerke

Thore Schlott referierte zu den Netzwerken des Hamburger Domkapitels / Foto M. Möller
Thore Schlott referierte zu den Netzwerken des Hamburger Domkapitels / Foto M. Möller

Im Zentrum der zweiten Sektion standen „mittelalterliche Netzwerke“. Mit dem Nekrolog des Hamburger Domkapitels gab Thore Schlott (Kiel) Einblick in die sowohl räumlich als auch sozial zu deutenden Stiftungstätigkeiten und beleuchtete somit eine neue Perspektive auf die wechselseitigen Beziehungen zwischen Stadt, Rat und Stift sowie anderen Akteuren. 

Die statistische Auswertung der sozialen Zusammensetzung der an den Stiftungen beteiligten Personen zeigte, dass weltliche Personengruppen, häufig Bürger oder Bauern, den größten Anteil an der Gesamtzahl beanspruchten, während innerhalb der Gruppe der Geistlichen die vorrangig aus Hamburg stammenden Domherren und Vikare am häufigsten verzeichnet wurden. Anhand der im Nekrolog überlieferten Orte kartierte Schlott Räume für den Hamburger Nah- und Fernbereich, die von Klerikern aus dem Erzbistum Bremen-Hamburg im Spätmittelalter durchwandert wurden und damit Rückschlüsse auf die europaweit gestreuten Amtskarrieren der Kleriker erlauben. Während sich für den Nahbereich eine Ballung von Orten am nördlichen Elbufer im Erzbistum Bremen-Hamburg erkennen lässt, verweisen die Einträge für den Fernbereich auf Herkunftsorte bzw. zeitweilige Wohnorte der Geistlichen, die zum Teil bis nach Livland reichen, wie die Laufbahn des Friedrichs von Haseldorf exemplarisch zeigte. Die Stiftungsaktivitäten seien somit nicht nur auf religiöse Motive zurückzuführen, sondern auch im Kontext des Strebens nach höheren Ämtern oder wie im Fall Graf Adolfs IV. von Schauenburg womöglich als Gegengabe für die Hamburger Altstadt zu betrachten.

In seinen Ausführungen zu spätmittelalterlichen frommen Stiftungen an Stadtklöster legte Piotr Kołodziejczak (Thorn/Toruń) Unterschiede zwischen Stockholm und anderen baltischen Städten vor der Reformation dar. 

Dabei handelt es sich u.a. um die Verteilung frommer Gaben auf die Kultstätten, die Entwicklung von Schenkungen und testamentarischen Vermächtnissen für fromme Zwecke sowie um den rechtlichen Rahmen für die Veräußerung von Eigentum an Religiose und geistliche Einrichtungen. Der Referent betonte, dass sich fast alle festgestellten Unterschiede durch lokale Faktoren erklären ließen, wie z.B. zweckgebundene Schenkungen, die von den Stockholmer Bürgern anstelle von Testamenten bevorzugt wurden. So beeinflusste beispielsweise das schwedische Stadtrecht die in Stockholm zu frommen Zwecken gestifteten Zuwendungen. Jedoch habe Stockholm – trotz gewisser „Abweichungen“ – keine Ausnahme von dem bewährten Muster des Stiftens und Schenkens an die Kirche und die Bedürftigen dargestellt.

Johannes der Evangelist ziert den Barockaltar im Chor der Stiftskirche / Foto T. Schlott
Johannes der Evangelist ziert den Barockaltar im Chor der Stiftskirche / Foto T. Schlott

Moritz Julian Schädler (Bielefeld) näherte sich mit seinem Beitrag den Netzwerken der Bursfelder Kongregation in Mittel- und Nordeuropa und der Teilnahme ihrer Äbte am Bursfelder Generalkapitel. 

Am Beispiel des Klosters Voer, dem sogenannten Oratorium Daciae in der dänischen Region Skanderborg, untersuchte Schädler die Herausforderungen, die mit der weiten Entfernung des Konvents zu anderen inkorporierten Klöstern einhergingen. In diesem Zusammenhang thematisierte er die besondere Stellung und Behandlung Voers innerhalb der Kongregation, die Verantwortung Cismars für den nördlichen Nachbarn und die Folgen für die Gesamtbemühungen dieser benediktinischen Reform. Er nimmt mit Bezugnahme auf die soziologische Theorie „Eigendynamischer sozialer Prozesse“[Renate Mayntz / Birgitta Nedelmann, Eigendynamische soziale Prozesse. Anmerkungen zu einem analytischen Paradigma, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 39 (1987), S. 648−668] an, dass die Kongregation von einer ständigen sozialen (Neu-)Positionierung der Äbte im Generalkapitel angetrieben wurde. Mit Blick auf die häufige Absenz der Äbte nördlicher Klöster bei den Versammlungen sei der soziale Status des Konvents zum Teil von der geografischen Lage der Mitglieder abhängig gewesen. Die Rolle Cismars sei dementsprechend als „Brückenkopf“, so Schädler, zu verstehen, wodurch die Erweiterung der nördlichen Peripherie erleichtert worden sei.

Der erste Veranstaltungstag wurde mit einer eindrücklichen Führung durch die Reste des Augustiner-Eremitenklosters in Bordesholm abgerundet.

Die Workshopteilnehmenden in der Bordesholmer Stiftskirche / Foto T. Schlott
Die Workshopteilnehmenden in der Bordesholmer Stiftskirche / Foto T. Schlott

Am zweiten Projekttag beschloss Laura Potzuweit (Kiel) die Sektion mit ihren Ausführungen zu den im Rahmen eines Editionsprojektes aufzuarbeitenden diplomatischen Verbindungen zwischen dem Deutschen Orden und den Herzögen von Pommern in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Thorner Frieden (1411−1466). 

Nach einer Vorstellung der in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden und vor allem beträchtliche Ähnlichkeiten in ihren sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnissen aufweisenden Akteure erläuterte Potzuweit anschließend das Quellenmaterial und sein Potenzial. In der Edition sollen diejenigen Dokumente und vor allem Briefe berücksichtigt werden, in denen sich die Verfasser entweder über die Verbindung äußern oder mit Empfängern der anderen Seite kommunizieren. Während das Quellenkorpus zum einen auf einen intensiven interterritorialen diplomatischen Austausch zwischen dem Hochmeister und den pommerschen Nachbarn hindeute, lasse sich zudem herausarbeiten, wie der ordensinterne Informationsaustausch organisiert war und Entscheidungen umgesetzt wurden. Auf einer personengeschichtlichen Ebene zeigte sie, dass neben dem Hochmeister und dem Herzog vor allem Personen aus dem unmittelbaren Umfeld der Landesherren an den Aushandlungsprozessen ebenso beteiligt waren wie vertraute, lokale Beamten, die den diplomatischen Informationsaustausch mit der Gegenpartei vorantrieben. In einer Hybrid-Edition sollen die Dokumente und Korrespondenzen des diplomatischen Austausches niedrigschwellig zugänglich gemacht werden und das auf persönlichen Beziehungen beruhende Netzwerk herausgearbeitet werden.

Klösterliche Krisen

Die letzte Sektion zu „späten Krisen in mittelalterlichen Klöstern“ wurde von einem Beitrag von Anna-Stina Hägglund (Tampere), vorgetragen von Marcus Handke, eingeleitet. Sie thematisierte den Umgang des Birgittenordens mit dem Interdikt, das in den Jahren 1514 und 1515 über das Kloster Marienkrone bei Stralsund verhängt wurde. 

Die damit einhergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten bedrohten die Existenz des Klosters, sodass die Stralsunder Birgitten bei der Ordenszentrale in Vadstena um Unterstützung baten. Anhand der überlieferten Korrespondenzen und Tagebucheinträge stellte sie die Verbindungen zwischen den Mutter- und Tochterklöstern des Ordens als zentrale Faktoren des birgittinischen Netzwerkes heraus. Vadstena habe sich bemüht, den Konflikt zu lösen, indem die Äbtissin und der Generalbeichtvater Briefe an den dänischen König und an die Herzöge Bogislaw X. (1454−1523) von Pommern und Heinrich V. von Mecklenburg (1479−1552) schrieben. Insbesondere habe Druck auf den Mecklenburger Herzog ausgeübt werden sollen, da seine Vorgänger Marienkrone bei der Gründung ihren herzoglichen Schutz zugesichert hatten. Mit Verweis auf einen Eintrag des Stralsunder Chronisten Johann Berckmann über eine Zahlung von Gerichtskosten an die Kurie in Rom schlussfolgert Hägglund, dass der Herzog tatsächlich in den Konflikt eingegriffen und somit zur Lösung des Interdikts beigetragen habe.

Besuch in Schleswig am zweiten Workshoptag. Ein Blick auf das Bordesholmer Altarretabel im Schleswiger Dom. / Foto M. Handke
Besuch in Schleswig am zweiten Workshoptag. Ein Blick auf das Bordesholmer Altarretabel im Schleswiger Dom. / Foto M. Handke

Robert Harlaß (Kiel) referierte im letzten Vortrag zu den Konflikten rund um die Säkularisation der pommerschen Zisterzienserklöster in der Mitte der 1530er-Jahre. 

Im Rahmen einer methodischen Verknüpfung von Ordensgeschichte und regionaler Klostergeschichte richtete er den Blick sowohl auf die Reaktionen des zentral organisierten Ordens und der einzelnen Klöster als auch auf jene der pommerschen Herzöge im Zuge des Auflösungsprozesses. Am Beispiel des Klosters Neuenkamp betonte er die bedeutende Rolle der regionalen und überregionalen Vernetzungen im Widerstand gegen das Auflösungsgeschehen der pommerschen Klöster und Konvente. So versuchten die Neuenkamper Zisterzienser, sich nicht nur der Ordensstrukturen umliegender Zisterzienserklöster wie Dargun oder der entfernt zuständigen Mutterabtei Altenkamp zu bedienen, sondern auch andere Herrschaftsträger für sich zu gewinnen. Das Unterstützungsgesuch an die pommersche Ritterschaft war beispielsweise ebenso erfolgreich wie jenes an den römisch-deutschen König, an das Reichskammergericht oder den Kaiser. Folgen für das Schicksal der aufgelösten pommerschen Zisterzienserklöster hatten die Bemühungen allerdings nicht.

Tendenzen und Ausblick

Abschließend bündelten die Organisatoren Marcus Handke und Robert Harlaß die aufgezeigten Blickwinkel des Workshops, indem sie die Bedeutung der verschiedenen Netzwerke, der lokalen Umstände und persönlichen Beziehungen innerhalb der gesamten Ostseeregion hervorhoben. Rückblickend konnten zwei koexistierende Formen von Netzwerken herausgearbeitet werden: zum einen die meist auf persönlichen Beziehungen beruhenden sehr lokalen Verbindungen sowie zum anderen die überregionalen, zum Teil bis nach Schweden, Finnland oder Livland reichenden, Austauschprozesse von Personen, Institutionen, Regionen und Reformzentren. Anhand der methodischen Verknüpfung von Kloster-, Ordens-, und Regionalgeschichte ließen sich u.a. mit Blick auf die Bibliotheken die Verbreitungswege der Schriften besser nachvollziehen und damit einhergehend auch die geistlichen und politischen Netzwerke stärker konturieren.

Wenngleich sich im Laufe des Nachwuchsworkshops der pommersche Raum als stetiger Bezugspunkt herauskristallisierte, lieferte die multiperspektivische Veranstaltung eine Vielzahl an anregenden Ansätzen, um die in der Kloster- und Ordensforschung bislang nicht ausreichend untersuchte Ostseeregion in ihrer Gesamtheit zukünftig stärker zu beleuchten und überregionale Verbindungen sichtbar zu machen. Die den Vorträgen nachfolgende Diskussion warf die Frage nach einer Definition ebendieser (Ostsee-)Region auf. Anhand der vorgestellten interdisziplinären Forschungsfragen ließ sich jedoch erkennen, dass sich dieses Gebiet eben nicht klar abgrenzen lässt, sondern durch Überlagerungen unterschiedlicher Macht- und Einflusssphären gekennzeichnet wird.

Die Teilnehmenden vor der Bordesholmer Stiftskirche. Einige Teilnehmende des zweiten Tages fehlen. / Foto N. Claussen
Die Teilnehmenden vor der Bordesholmer Stiftskirche. Einige Teilnehmende des zweiten Tages fehlen. / Foto N. Claussen

Zum Abschluss des Nachwuchsworkshops wurden die Teilnehmenden durch das Schleswiger Domstift und das ehemalige Benediktinerinnenkloster in Schleswig von Fachleuten beider geistlichen Institute geführt. Aus den Beiträgen der zweitägigen Veranstaltung entsteht im Jahr 2024 ein englischsprachiger Tagungsband, der in der Reihe „Kieler Bausteine zur Klostergeschichte im Ostseeraum“ erscheinen wird.

Konferenzübersicht

Robert Harlaß (Kiel) und Marcus Handke (Dresden): Begrüßung und Einführung in das Tagungsthema

Session 1: Libraries

Marcus Handke (Dresden): David of Augsburg at the Baltic Sea – Some Observations on the Reception of the ‘Formula novitiorum’ at Bordesholm

Karolina Piszczałka (Warschau/Warszawa): Post-war Fate of the Book Collection from the Chapter in Kamień Pomorski

Kaspar Kolk (Tartu): Franciscan Responses to the Lutheran Reformation: the Evidence of the Convent Libraries

Session 2: Networks

Thore Schlott (Kiel): City, Council and Clerical Relations in the Mirror of the ‘Necrologium capituli Hamburgensis’

Piotr Kołodziejczak (Thorn/Toruń): Pious Gifts in Late Medieval Stockholm in the Context of Baltic Towns

Moritz Julian Schädler (Bielefeld): Bursfelde, Cismar, Denmark: Benedictine Networking and the Involvement of the Northern Periphery

Laura Potzuweit (Kiel): An Edition beyond Borders: The Interterritorial Relations of the Teutonic Order and the Dukes of Pomerania (1411–1466)

Session 3: Late Crisis in Monasteries

Anna-Stina Hägglund (Tampere): A Monastic Crisis. How the Stralsund Birgittines Resolved their Interdict (1514–1515)

Robert Harlaß (Kiel): Between two Worlds: Spaces of Action of Pomeranian Cistercians at the End of their Existence

Concluding discussion

Dieser Text wurde in kürzer Form bereits bei HSozKult veröffentlicht.

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